wundertier (wundertier) wrote in metapher,
wundertier
wundertier
metapher

"Der Preis der Leidenschaft - Das dramatische Leben der Li Qingzhao"
von Barbara Beuys
Eine Biografie von Chinas größter Dichterin. Li Qingzhao lebte im 12. Jahrhundert n. Chr. und hat zusammen mit ihrem Mann eine der größten archäologischen Sammlungen ihrer Zeit angelegt. (Die leider fast komplett während des Krieges mit den Yin in Rauch auf ging oder ihr gestohlen wurde.)

Das Buch ist wirklich sehr empfehlenswert, nur sollte man sich darauf gefasst machen, dass besagte Dichterin in ihrer eigenen Biografie nur eine Randfigur ist.

Über das Leben der Li Qingzhao gibt es nur wenige Informationen und viele ihrer Werke gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Die Autorin macht sich nur leider nicht die Mühe diese Lücke mit ähnlichen Erfahrungen anderer Zeitgenossen zu füllen. So bleibt ihre wahrscheinlich sehr dramatische Flucht vor den angreifenden Heeren der Yin, kurz nach dem Tode ihres Mannes, völlig unbeleuchtet. Die Dichterin selbst hat dazu nichts schriftliches Hinterlassen.

An anderen Stellen hingegen, zu zwar politisch turbulenten Zeiten, in denen im Leben der Li selbst wenig passiert, pflastert Frau Beuys ihre Texte mit Gedichten Lis, um deren Stimmung zu verdeutlichen.
Natürlich ist man als Leser zu Anfang sehr daran interessiert, auch mal eines der Werke zu lesen, immerhin soll Li Qingzhao ja Chinas größte Dichterin gewesen sein. Jedoch nach dem vierten Gedicht, welches sich nur um ihre Einsamkeit dreht (ihr Mann ist mal wieder auf Suche nach Antiquitäten), verliert man allmählich die Geduld. Zum einen ist nicht klar, was an diesen Gedichten so herausragend ist und zum anderen tragen sie zumeist nicht dazu bei, einem das Leben dieser Frau näher zu bringen. Weder wird der normale Alltag einer Beamtengattin beleuchtet noch zeigt die Autorin die Reaktionen auf Veröffentlichungen der Frau Li.

In der ersten Hälfte gibt die Autorin einen Überblick über die Welt der Beamtenelite. Dabei behandelt sie unter anderem die Geschichte der vorangegangenen Dynastien, die Auswirkungen, welche Konfuzes Lehren auf die gebildete Gesellschaft hatten und warum der Buddhismus für das damalige China revolutionäre Einsichten brachte. Auch kleine Dinge, wie die Kindererziehung in Beamtenfamilien, das Leben der Nebenfrauen und die urbanen Vergnügungsmöglichkeiten der Hauptstadt werden beleuchtet.

In der zweiten Hälfte taucht Li Qingzhao dann häufiger auf, bleibt aber dennoch nur Randfigur. Das Hauptaugenmerk liegt immer noch auf den verheerende politischen Fehlentscheidungen und der allgemeinen Unfähigkeit der einzelnen Kaiser, welche letzten Endes in Krieg und Zerstörung gipfelten.
Trotzdem die Dichterin nur eine Nebensächlichkeit in diesem Buch ist, ist "Der Preis der Leidenschaft" sehr zu empfehlen, nicht als Biografie, aber als Sachbuch, das einem chinesische Geschichte und Kultur interessant und vor allem verständlich näher bringt.
  • Post a new comment

    Error

    default userpic
  • 0 comments